Die verbrechenlose Welt von Philip K. Dicks „Minority Report“
Die Gemeinschaft der Kurzgeschichte „Minority Report“ unterbindet und ihre Precogs verbinden zukünftige, mögliche Morde durch ihre wagen Vorhersagen und entfernen jene möglichen Mörder aus der Gesellschaft.
Eine verbrechenlose Welt ist zwar gewährleistet- aber durch welchen Preis? Integrierte Menschen einer Gemeinde werden einfach verlagert, von ihren Familien und Freunden weggeschafft, verbringen sie das Ende ihrer Tage zusammen auf einen anderen Planeten in einem anderen Sonnensystem.
Die Ursache, das „Warum“ ein Mensch einen Mord plant, jemandem das Leben nehmen will, wird nicht untersucht.
Fragen woher die Veranlagung zum Mord kommt werden völlig außer Acht gelassen, durch das Wegschaffen des zukünftigen Täters komplett ignoriert.
Desweiteren vermisst man die Unterscheidung der Beweggründe eines Mordes, wie wir es im deutschen StGB aufgeschlüsselt bekommen.
Selbstverständlich entschuldigt das nicht die Auslöschung des Menschenlebens, doch die Schuld des Täters muss somit differenzierter begutachtet werden.
In der Kurzgeschichte spricht man immer nur von der zukünftigen Tathandlung- doch ob der potentielle Verbrecher mit dem Ziel der Tötung zu seinem Opfer kommt, also mit direktem Vorsatz oder aus Eventualdolus heraus, wird nicht behandelt. Die Folge ist jedoch immer die gleiche.
Dem Grund, warum Dick diesen Aspekt ausließ, ist heute leider nicht mehr zu beantworten, doch schaffte er dadurch jede Menge Diskussionsmaterial, wie unser Rechtssystem in Zukunft weiter entwickelt werden muss.
Sieht man nun von der obigen Fragestelle einmal ab, kommt schon die nächste, unbedachte Problemstellung auf.
Wozu sind potentielle, zusammen gepferchte Mörder fähig, die noch unschuldig auf einem fernen Planeten sitzen, fähig?
Die Schade der eignen Schuld wurde ihnen zwar erspart, aber wie lebt es sich unschuldig in einer anderen Welt, weit weg von Familie und Freunden?
Ein Gefühl der Ungerechtigkeit ist unabdingbar. Zum einen wurde man für etwas bestraft, das man niemals begangen hat, zum anderen sind die Vorhersagen der „Precogs“ äußerst wage. Es ähnelt eher einem Würfelspiel, bei dem man Glück oder Pech haben kann.
Dieses Würfelspiel kann früher oder später zu einem Aufstand führen, denen die zuständigen Behörden dann nicht mehr gewachsen sein werden.
Mordgedanken werden niemals ausgelöscht werden. Hass und Liebe sind die gegenwärtigsten Gefühle in einem Menschen und werden das auch immer sein.
Nur durch Kommunikation, Problemsuche und –findung kann man der Ursache auf dem Grund gehen, statt sie zu nur abzutun.
Allein durch die Vorhersagen der „Precogs“, selbst wenn es mehrere wären, kann die Mordlust nicht unterbinden oder gar die Zukunft damit eindeutig bestimmen. Sie bieten keine Grundlage für eine verbrechenlose, freie und sichere Welt.
Vielmehr schürt sie Unbehagen und Angst vor den eigenen Emotionen und Gendanken im Menschen hervor, womit die innere Sicherheit also keine Sicherheit mehr im Innenleben des Einzelnen bietet.
Das Menschsein wird einem verboten. Es lebt sich nicht mehr nach dem alten Volkslied, von August Heinrich Hoffmanns von Fallersleben und Ernst Richters 1842 einst veröffentlichten „Die Gedanken sind frei“!
Freitag, 1. Mai 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen