Warum dystopische Science-Fiction-Geschichten?
In der Gegenwart bestimmen wir unsere Zukunft. Eine autonome Sache auf- den ersten Blick betrachtet.
Doch auf eine Aktion folgt bekanntlich eine Reaktion usw., die nicht immer vorsehbar ist. Die Reaktion folgt in der Zukunft und lässt sich demnach nicht beeinflussen. Zumindest nicht mit unseren derzeitigen technischen Mitteln. Ist es also nur der Wunsch eines jeden Menschen die Kontrolle über die Zeit zu gewinnen? Gott zu spielen? Ungeahnte Möglichkeiten kommen auf. Möglichkeiten die Science-Fiction-Autoren tagtäglich niederschreiben um ihr Brot zu verdienen.
Was sind an diesen unbekannten und –geahnten Möglichkeiten nur so attraktiv, dass das Interesse an Science Fiction so in uns aufflammen lässt?
Zum einen wohl, das Machtgefühl zu haben, alles und jedes kontrollieren zu können: Die absolute Autonomie.
In dystopischen Erzählungen schwenkt dies oft in eine andere Richtung.
Die Kontrolle wird meist nur einer Seite oder Gruppe zugesprochen, die diese willkürlich ausübt! Die innere Sicherheit besteht also nur bei einer Partei und selbst in ihr steht sie auf wackeligen Beinen.
Es ist paradox, das der so freiheitsliebende Mensch, der immerzu vorgibt, so zu sein, dennoch immer die Kontrolle über ein anderes Lebewesen innehaben muss. Und sei es nur die Kontrolle über einen Tier. Irgendjemand muss immer unter ihm stehen. Seine Freiheit einbüßen, nur damit die andere Partei das Gefühl der eigenen, persönlichen inneren Sicherheit inne hat. Hier stellt sich also die Frage: Unterdrückt der Mensch aus Angst kontrolliert zu werden? Wodurch und warum kommt dieser Wunsch nach Macht und Kontrolle eigentlich im Menschen heute nach diversen Kriegen und deren Folgen noch auf? Wollen wir aus der Vergangenheit nicht lernen und sind demnach verdammt sie zu wiederholen wie es schon Georg Santayana sagte? Mehrere Faktoren spielen hier sicherlich zusammen.
Jeder spricht sich einen eigenen Lebensfreiraum zu und überrascht, dass der sich mit dem eines anderen überschneiden kann bzw. muss. Unstimmigkeiten kommen genau dann auf, wenn man diese Überschneidung nicht akzeptieren will und versucht den vermeintlich verlorenen Teil zurückzuerobern- wo bei dann natürlich die Andere Seite ein Stückchen seiner Freiheit in dem Moment der Kapitulation verlieren würde und schon ist es mit dem Lebensfreiraum geschehen.
Eine Unterdrückung fand statt. Man erkennt nicht, dass diese „Lebensfreiraumüberschneidung“ kein Verlust darstellen muss. Es ist eine Sache der Auslegung, Rücksicht und Kommunikation.
Genau das versucht die Science Fiction vor Allem in der Dystopie meiner Meinung nach deutlich zu machen.
Selbstverständlich lässt es sich nicht nach dem „Truthahn-Prinzip“, (jahrelang ging es mir gut, deswegen wird das auch noch weitere Jahre so weiter gehen), leben.
Innere Sicherheit ist keine Sache des Stillstandes. Sie ist ständig in Bewegung und muss gepflegt werden.
Das geschieht nicht nur durch neue technische Errungenschaften, die uns länger am Leben lassen oder Verbrechen verhindern, sondern durch eine Akzeptanz und das Respektieren von anderer Lebendweisen.
Dystopische Geschichten weisen demnach auf die Verweigerung einer Reflexion hin (dies würde ja eine vermeintliche Einschränkung des Lebensraums, also der innere Sicherheit eines Einzelnen bedeuten und die gibt man ungern freiwillig her).
Donnerstag, 4. Juni 2009
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