In Philip K. Dicks Short-Story „The Skull“ versucht der Protagonist Conger den Gründer der First Church in der Vergangenheit zu finden und zu töten, da diese den Staat extrem kontrolliert, beeinflusst und gegen Fortschritt und Technik ist. Dieser Auftrag wird ihm angeboten als Alternative für eine Haftstrafe.
Im Endeffekt findet er jedoch heraus, dass er selbst der Gründer ist.
Wir können hier einige Parallelen zu „Minority Report“ erkennen, denn auch Anderton wird eigentlich mit seiner eigenen Tat konfrontiert (die er in dieser Story erst begehen wird). Bei "The Skull" geht es also um die Tat in der Vergangenheit und bei "Minority Report" um jene in der Zukunft.
Beide Protagonisten werden jedoch mit sich selbst konfrontiert. Der Schlüssel zur eigenen Persönlichkeit für Conger ist der Totenkopf und für Anderton das Kärtchen, auf dem sein Name steht. Conger hat außerdem einen Spiegel zur Verfügung, in dem er sich im Laufe der Geschichte immer wieder betrachtet; man könnte diesen als Symbol für die Suche nach sich selbst deuten. In "Minority Report" sieht sich Anderton ebenfalls einem Art „Spiegel“ gegenüber gestellt, den drei Precogs, welche ja auch nur die angebliche Realität wiederspiegeln. Beide flüchten schließlich vor sich selbst, und erkennen aber dass es eigentlich unmöglich ist dem „Schicksal“, das ja eigentlich von den Menschen selbst geschaffen worden ist, entkommen zu können.
Die Suche nach und die Konfrontation mit sich selbst scheint in Philip K. Dicks Literatur überhaupt eine wichtige Rolle zu spielen.
Ich würde hier gerne auch auf das Thema Entropie eingehen:
In der Precog-Welt wird gegen Entropie gearbeitet, man will absolute Kontrolle erreichen, aber schränkt so die Menschen auch ein und es gibt keine eigene Entscheidung mehr, wodurch im Enddeffekt wieder Stillstand entsteht. Jedoch ist auch diese Syntropie nur durch Entropie möglich, denn wenn die potentiellen Täter garkeine Mordgedanken hätten (was ja sozusagen Chaos im Kopf bedeutet), dann würde es diesen ganzen Prozess hin zur gewünschten Syntropie (sie werden weggesperrt-ihre Weiterentwicklung wird ihnen unmöglich gemacht-Stillstand) garnicht geben.
Conger muss ebenfalls erst durch Energie (indem er also in die Vergangenheit reist) Entropie erzeugen um dann paradoxerweise als Gründer der First Church erst wieder Syntropie (zb Stillstand des Fortschrittes und der Technik) herzustellen.
Der Versuch diesen Kreislauf zu durchbrechen misslingt in beiden Stories.
Sind also Entropie und Syntropie voneinander abhängig? Gibt es das eine ohne das andere garnicht?
Einige Aspekte sprechen dafür: Die Menschen brauchen immer wieder Entscheidungsfreiraum, Platz für Kreativität, Entwicklung, Fortschritt, etc. Laut der Theorie gehören diese Punkte also zur Entropie (Chaos, Unordnung). Aber ist nicht zum Beispiel die Entwicklung eines Menschen im Laufe seines Lebens (zb.Geburt-Wachsen-Lernen-Handeln-Tod) in gewissen Maße auch eine Ordnung? Eine Ordnung der Natur, ein Kreislauf der nie enden wird? Es würde sich dann sozusagen um eine „Bewegte Ordnung“, oder um ein „geordnetes Chaos“, in einem immer gleich bleibenden Rhythmus handeln. In diesem sind dann Entropie und Syntropie vereint und kommen ohne einander nicht aus. Das führt zur Schlussfolgerung, dass dieser Kreislauf eben nie zu durchbrechen sein wird, egal wie oft es die Menschen versuchen - durch Krieg, Kontrolle, etc. – nichts davon wird ihn jemals beenden.
Hier sollte man sich die Frage stellen, warum menschliche Lebewesen immer wieder versuchen durch totales Chaos totalen Stillstand und totale Kontrolle herzustellen, wenn sie schon zig mal gesehen haben, dass es nicht funktioniert. Was treibt sie dazu? Die Angst und Panik davor die Kontrolle zu verlieren (die sie ja eigentlich garnicht haben-sie bilden es sich nur ein) oder die Gier nach Macht über ihre Mitmenschen? Ist es so schwer aus Fehlern zu lernen?
Wollen wir das Bild, das wir in „The Gun“ zu sehen bekommen, von einem ausgerotteten Volk und einem toten Planeten wirklich anstreben und ist am Ende die Waffe die „Siegerin“ und die letzte „Überlebende“?
Dienstag, 2. Juni 2009
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