Donnerstag, 4. Juni 2009

Innere Sicherheit in Paycheck

In der Kurzgeschichte Paycheck von Philip K. Dick werden zwei rivalisierende Systeme beschrieben:
Auf der einen Seite haben wir einen totalitären Polizeistaat in dem die SP, Security Police, fast uneingeschränkte Macht hat und selbst den Schulunterricht mit gestaltet. Und auf der anderen Seite einen Großkonzern namens Rethrick Construction, der im Verborgenen auf die Ausstattung von zukünftigen Staatsrebellen hinarbeitet und sich vorbehält ehemaligen Mitarbeitern jedwede Erinnerung an ihre Arbeit aus dem Gehirn heraus zuoperieren. Die Security Police versucht durch Verhöre von Einzelpersonen möglichst viel Information über die großen Firmen herauszubekommen, da diese ohne konkreten Verdacht vor dem Zugriff der SP gesetzlich geschützt sind.
Somit stellt Philip K. Dick ein System des radikalen Erzählens, einem System des radikalen Vergessens gegenüber. Dazwischen irrt der Protagonist Jennings auf der Suche nach einer sicheren Zuflucht umher. Jenning hat zwei Jahre als Mechaniker für Rethrick gearbeitet, welcher ihm, wie zuvor vertraglich festgehalten, jede Erinnerung an diese Zeit genommen hat. Vermeintlich um zwei Lebensjahre und seinen gesamten Verdienst betrogen, fällt er in die Arme der SP, die ihm sämtliche (nicht vorhandenen) Informationen über den ehemaligen Arbeitgeber entlocken will.
Er erkennt, dass er in keinem der beiden Systeme unter den gegebenen Umständen existieren kann und beginnt mit Hilfe seines Verdienstersatzes (sieben unscheinbare Gegenstände) Staat und Konzern gegeneinander auszuspielen.
Wie schon in der Übung angesprochen basiert jede Art von innerer Sicherheit in diesem Fall auf der Annahme maximaler Unsicherheit. Jede beteiligte Partei versucht sich bestmöglich gegen jeden und alles abzusichern und auch Jennings macht Kelly, die Sekretärin von Rethrick, nur zu seiner Komplizin, weil ein Alleingang zu riskant wäre. Letztendlich wird klar, dass er lediglich ausführendes Organ einer ihm vormals bekannten Zukunft ist und selbst seine vermeintlichen Fehlentscheidungen Teil seines ausgefeilten Plans waren.
Anders als in „Minority Report“ ist der Blick in die Zukunft diesmal den Staatsgegnern vorbehalten. Rethrick Construction hat jedoch nicht zum Ziel mit dieser Waffe einen Regierungsumsturz zu verursachen, die Firma will ausschließlich die Mittel für einen solchen bereitstellen. Die genauen Absichten des Konzerns bleiben dem Staat jedoch verborgen, weshalb die SP alles daran setzt mehr Informationen zu bekommen. Des Weiteren scheint es auch nur EINE mögliche Zukunft zu geben, da Jennings mit vielen verschiedenen Zukunftsversionen unmöglich im Vorhinein einen funktionierenden Erpressungsplan hätte ausarbeiten können. Die Möglichkeit der freien Entscheidung, wie in „Minority Report“ gegeben, hätte jederzeit ein Abweichen in eine andere Zukunft ermöglicht.
Dies ist eine der Kurzgeschichten von Philip K. Dick, die einmal nicht in großer Vernichtung und Apokalypse endet, sondern in der die feindlichen Systeme weiter existieren, bis eine dritte Macht das Gleichgewicht ins Wanken bringt.

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